Astrofotografie: mein Griff zu den Sternen.

2025 begann für mich ein neues Kapitel in der Fotografie. Fast zeitgleich nachdem ich meinen Youtube Kanal beendet habe, begann ich mich wieder für die Astronomie zu interessieren. Wie das alles kam erfahrt ihr hier.

Astronomie hat mich als Jugendlicher schon immer fasziniert, schon weit bevor ich mich mit der Landschaftsfotografie beschäftigt habe. Es beschränkte sich damals jedoch auf das reine Beobachten mit meinem Novalux 415 Achromaten mit 60mm Öffnung von Eschenbach, den ich mal beim ortsansässigen Optiker gekauft habe. Das ganze meistens aus dem offenen Veluxfenster meines Elternhauses. Dieses Teleskop besitze ich heute noch, ist allerdings nicht mehr im Originalzustand. Denn dieses im original mattschwarze Teleskop habe ich mal in weiss umlackiert, weil ich der Meinung war, dass „professionelle“ Teleskope weiss sein müssen.

Das Meade ETX-70


Ca. 15 Jahre später, im Heimatort machte ein neuer Supermarkt auf und hatte von Meade das ETX70 im Angebot. Komplett mit Stativ und Goto Steuerung. Damit wollte ich das ganze auf eine höhere Stufe bringen.
Das ganze probierte ich in einem Feldweg im Nachbarort aus, bis die Polizei kam.
Nachbarn machten sich sorgen dass ich Probleme mit meinem Auto haben könnte und riefen die Polizei.

Leider war die Nachführung des ETX70 dermaßen laut, dass es keinen Spaß machte sich damit länger zu beschäftigen. Fotografisch hatte ich allerdings damit zumindest die ersten Versuche gemacht. Ich hatte mir einen Adapter gekauft und wollte meine Canon DSLR dort anschliessen.
Ich weiss nicht mehr welche es war, es könnte sogar die 1D Mark III gewesen sein. Totaler Overkill für diese Montierung. Dass man so keine Fotos machen kann wusste ich zu dem Zeitpunkt aber eh nicht. Vom Guiding habe ich da noch nie was gehört. Vielleicht lag es auch daran dass das Teleskop blau war und dadurch “nicht professionell” :-D

Pause….. Etwa 20 Jahre….
In der Zeit habe ich mich kaum mit Astronomie beschäftigt, aber das Interesse nie ganz verloren.
So suchte ich für meinen Mac immer wieder das beste Astronomieprogramm. Was habe ich alles getestet und gekauft… Stellarium, Redshift, SkySafari. Obwohl Stellarium kostenlos und unwahrscheinlich viel bietet, daher ist es auch sehr beliebt und wird jedem Anfänger ans Herz gelegt, so ist mir SkySafari 6 Pro mein Programm der Wahl. Leider wird es wohl für Computer nicht weiterentwickelt. Es gibt zwar SkySafari 8 für Smartphone und Tablets und diese können auch über einen Account Einstellungen untereinander synchronisieren, aber zur alten 6er Version geht das mehr hakelig.

Dann, im Januar 2025, eine eigentlich als Landschaftsfotografie Fotoreise geplante Reise nimmt unerwartete Wendungen. 

Canon R5 auf Move Shoot Move Rotator

Schon ein Jahr zuvor hatte ich immer den Youtube Kanal des mittlerweile leider verstorbenen Alyn Wallace geschaut. Und er machte mit einfachen Mitteln beeindruckende Fotos. Aus seinen Videos lernte ich, dass ich eine kleine Nachführung brauche. Er arbeitete eng mit Move Shoot Move zusammen und mit seinem Rabattcode kaufte ich mir einen kleinen Rotator.
Zuhause die ersten Bilder über mehrere Minuten belichtet, ging wunderbar, solang man nicht mit der Brennweite übertreibt, da diese Nachführung ohne Guiding arbeitet.

Diese Nachführung nahm ich also auch vorsichtshalber mit auf die besagte Fotoreise nach Lanzarote. Da es dort um diese Zeit ja früh dunkel wurde und trotzdem angenehm warm war dachte ich, man könnte es mal ausnutzen. Ich hatte eine tolle Dachterrasse, die ideal war. Gut, es war im Ort, dadurch natürlich recht hell (Lightpollutionmap sagt Bortle 4, was ich zuhause auch habe). Also Abends nach dem Abendessen auf der Dachterrasse meine ersten Gehversuche gemacht.
Ich hatte den Orionnebel probiert, aber aus gut 50 Bildern konnte ich am Ende nur 8 Bilder verwenden. Ich denke ich habe es übertrieben. Ich hatte es mit 200mm versucht. Leichter Wind zog über die Dachterrasse. Es können viele Faktoren gewesen sein, Wind, zu lange Brennweite für den Move Shoot Move, zu lange Belichtungszeit, kein Guiding… 

Alles keine Idealen Vorraussetzungen. Aber immerhin hatte ich von Alyn Wallace gelernt, dass man viele Bilder macht. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nichts von Korrekturbildern gehört. 

Die habe ich dann erst viel später zuhause „nachgepfuscht“. Gepfuscht, weil einige der Korrekturbilder auch unter den gleichen Temperaturbedingungen (Darks, Bias) oder mit dem gleichen Fokuseinstellungen und dem gleichen Sensordreck (Flats) gemacht werden müssen.

O.k. das Ergebnis war… Naja…

Mein gepfuschter Orionnebel

Making Of auf der Dachterasse auf Lanzarote

Flat Erstellung mit Flatfieldmaske

Aber da war es wieder, dieses Interesse an der Astronomie. In der Zwischenzeit empfahl mir YouTube den Kanal von Deep Cosmos.
Der Patrick hat da viel gezeigt und ich hab viel aufgeschnappt. Aber da kamen dann auch erste Zweifel. Ich liege nämlich viel zu gern im Bett, als dass ich mir die Nächte mit unzähligen Bildern und Korrekturbildern um die Ohren schlage. Aber mit der Zeit erkannte ich dass 2 von 3 Arten der Korrekturbilder in knapp 5 Minuten erledigt sind. Die Darks, das sind Bilder die mit der gleichen Belichtungszeit wie die Lights (die normalen Fotos)  aufgenommen werden, nur mit aufgesetztem Teleskopdeckel kann man mit einer aktivgekühlten auch später machen wenn man ausgeschlafen hat. Diese kann man sich auch als Bibliothek ablegen (wenn man die gleichen Belichtungsteinstellungen nutzt) und nur alle Nase lang neu machen.

Gut, da war es also, die Lust auf solche Fotos, und der Drang einen deutlichen vierstelligen Betrag nach und nach beim Astroshop zu „versenken“.

Was sollte es denn überhaupt für ein Teleskop sein?
Ein Refraktor, also ein Linsenteleskop?
Oder ein Reflektor, ein Spiegelteleskop?
Das hängt von vielen Faktoren ab, von der eigenen Vorliebe, von der Nutzungsart (Beobachten oder Fotografieren), von den Motiven.

Ich wusste dass ich zwar auch mal beobachten will, aber vorrangig sollte es später fotografisch genutzt werden. Meine Motive waren auch schon klar, recht großflächige Nebel. Planeten und winzige Galaxien liegen eher nicht auf meinem Beobachtungsplan. Daher konnte ich dann die Brennweite anhand von Motivgröße und Sensorgröße der Kamera ungefähr eingrenzen.
In vielen Programmen oder der Seite „Telescopius“ kann man eine Brennweiten/Sensorkombination zusammenstellen und das Blickfeld der Kamera simulieren.

Es kam eine Brennweite von ungefähr 500mm raus. Dazu muss man schon vorher wissen, welche Kamera man sich später kauft. Diese habe ich zwar noch nicht, aber das Ziel ist es später eine Kamera mit APSC Sensor zu kaufen.

Da es Reflektorteleskope mit dieser Brennweite so gut wie nicht gibt, es geht mit 1-2 Ausnahmen erst so bei ca 750mm los, fiel die Entscheidung auf einen Refraktor. Da ich auch wenig Lust auf das Kollimieren eines Reflektors (ausrichten der Spiegel bei jeder Benutzung) auch keine Lust hatte, fiel die Wahl dann doch leichter.

Zuerst hatte ich da Teleskope von Bresser im Auge. Die sahen gut aus, waren komplett mit Montierung lieferbar. Aber hatten einen Nachteil. Es waren nur Achromaten. Linsenteleskope unterscheiden sich in günstigere Achromaten und teurere Apochromaten. Apochromaten sind deutlich besser farbkorrigiert, das heisst die Linsen sind deutlich besser korrigiert, so dass alle Farben auch genau den Brennpunkt treffen. Achromaten sind günstiger, dafür muss man dann auf den Fotos mit Farbsäumen um die Sterne leben. Das wollte ich nicht. Ich hätte mich sicher später geärgert. Aber für die reine Beobachtung hätte ein Achromat von Bresser vollkommen ausgereicht.

Also weiterschauen. Ein recht bekannter Hersteller ist Sky-Watcher, da hatte ich mir dann den EvoStar AP 80/600 ausgesucht (80mm Öffnung, 600mm Brennweite). Ein wenig länger, aber doch noch machbar. Das zusammen mit Okularen und Sky-Watcher HEQ5 Pro Montierung in den Warenkorb gepackt und bestellt…

Dann begann das Grübeln… War da nicht mal was? In meiner Kindheit war ich ja schon der Meinung Teleskope müssen weiss sein?
Dieses hier war zum Großteil schwarz. Das gefiel mir doch nicht nachdem ich eine Nacht drüber geschlafen habe. Also was anderes rausgesucht, den Omegon Pro APO AP 94/517.
Deutlich mehr Öffnung als das andere, weniger Brennweite. Das bedeutet Lichtstärker.
Was beim Fotografieren ja auch bedeutet, kürzere Belichtungszeiten. Ein Triplet statt einem Duplet, bessere Bildqualität.
Den Shop angeschrieben ob ich das noch ändern kann, die Antwort war positiv. Die Differenz überwiesen (das neue Teleskop kostete fast das doppelte) und warten..

Nach ein Paar Tagen kamen dann viele Pakete, eines wurde noch vergessen, kam dann aber nach.

Mein aktuelles Setup

Detlailaufnahme, Kamera, OAG und Fokusser

Alles aufgebaut und gefreut wie ein Schneekönig. Nach wenigen Tagen ging es dann mal raus um die ersten Beobachtungen zu machen. Das sah alles schon toll aus, aber es ist nichts bleibendes. Daher blieb es bisher nur bei einem Ausflug an dem ich durch die Okulare geschaut habe. Das ist schon etwas ärgerlich, weil ich für die Okulare und den Zenitspiegel schon gut 500€ ausgegeben habe und es dann doch nicht so recht nutze. Aber wer weiss…

Dann ging es los, was brauche ich alles um Fotos zu machen? Da findet man auch erstmal Bezeichnungen die man vorher nicht kannte. T2, 2“. 48mm….
Es dauerte echt ne Weile bis ich einiges begriffen habe, z.B. dass 2“ und M48 das gleiche sind. Dass man M48 Hülsen dadurch einfach in einen 2“ Okularauszug stecken kann…
Früher oder später lernt man dann den Begriff Backfocus kennen.
Das könnte man etwa so erklären, dass zwischen einem Optischen Element und der Sensorebene der Kamera, in meinem Fall der Flattener ein vorgegebener Abstand sein muss.
Was ich früher auch nicht wusste ist, dass man für die Astrofotografie mit einem Linsenteleskop einen Flattener, einen Bildfeldebner braucht. Das ist nur ein kleines, in meinem Fall 2“ Bauteil welches mit dem gewissen Backfocus vor die Kamera gesetzt wird. Der Flattener sorgt dafür, dass die Sterne in den Bildecken auch rund bleiben. Ohne Flattener würden sie sich eiförmig in die Ecken ziehen. Und für diesen Flattener war ein Backfocus von 118mm angegeben.
Das heisst ich kann nicht den Flattener direkt vor die Kamera setzen, sondern muss mit Hülsen einen Abstand von 118mm vom Ende des Flatteners bis zur Sensorebene erstellen. Dafür gibt es Hülsensets zu kaufen. In dem Set sind Hülsen unterschiedlicher Länge enthalten, so dass man sich da was zurechtbasteln kann.

Aber ich musste nicht alles mit Hülsen überbrücken. Denn in den Strahlengang (Astronomen sagen dazu „Imagetrain“, aber ich weigere mich als Fotograf diesen Begriff zu nutzen), kamen noch zwei zusätzliche Bauelemente. Einmal, wie kann es bei mir auch anders sein, ein Filterhalter. Dennis ohne Filterhalter, das geht ja nun gar nicht. Und dann noch ein anderes mysteriöses Bauteil, den OAG, den Off Axis Guider…

Was ist denn nun ein OAG?
Für Astrofotografie muss die Kamera, bzw. das Teleskop ja nachgeführt werden. Die Montierungen machen das auch, das reicht aber nur für die Beobachtung und vielleicht wenige Sekunden Belichtungszeit. Für die Fotografie ist diese Nachführung viel zu ungenau. Sterne würden sehr wahrscheinlich bei Langzeitbelichtungen zu leichten Strichen mutieren. Dazu ist das Guiding da. Eine kleine Kamera, meistens mit einem monochrom Sensor mit recht bescheidener Sensorgröße wird für das Guiding verwendet.
Diese Kamera wird beim Guiding angelernt. Sie fixiert sich an einen Stern und beobachtet ihn für ein paar Sekunden bei ruhender Nachführung. Man sieht wie der Stern aus dem Fadenkreuz der Kamera abdriftet. Dann versucht die Kamera über den Computer den Stern wieder genau ins Fadenkreuz zu bewegen indem sie die Montierung ansteuert. Das dauert einen kleinen Moment und dann pendelt sich das ganze gut ein. Aber woher bekommt diese Guidingkamera ihr Bild? Da gibt es zwei Möglichkeiten.
Einmal ein Leitrohr, ein kleineres Teleskop mit meistens so 30-50mm Öffnung und ca. 120-200mm Brennweite. Dieses sitzt Huckepack auf dem eigentlichen Teleskop. Oder eben wie bei mir mit dem Off Axis Guider (OAG). Beides hat seine Vor und Nachteile. Das Leitrohr ist ein zusätzliches Gewicht auf der Montierung, dafür sieht es durch die kürzere Brennweite mehr Sterne. Die kürzere Brennweite wiederrum ist dann beim Guiding ungenauer.

Ich habe mich dann für den OAG entschieden. Der OAG ist ein Ring in den ein Prisma von der Seite in den Strahlengang (nein ich sage immer noch nicht Imagetrain) hineinragt und sich ein wenig Licht ausserhalb der Sensorfläche der Hauptkamera abgreift. Dieses Licht wird dann in die seitlich montierte Guidingkamera geleitet.
Der Vorteil ist, die Guidingkamera arbeitet mit der gleichen Brennweite wie das Teleskop, was die Präzision des Guidings deutlich anhebt. Nachteilig kann sein, dass weniger Sterne zur Verfügung stehen. Das ist mir bisher aber noch nicht passiert. Der eine oder andere sagt auch, für den Anfang lieber ein Leitrohr, der OAG sei so schwer einzurichten. Das kann ich aber gar nicht behaupten. Wenn man sich dann doch mal in die Thematik mit dem Backfocus eingearbeitet hat ist das doch einfach. Ich muss aber gestehen, bevor ich das ganze mit dem Backfocus begriffen hatte, war ich auch eher für das Leitrohr.

Also sieht das ganze dann bei mir so aus, Kamera, Filterhalter, Off Axis Guider, Hülsen, Flattener.
Eine der Hülsen hat einen Anschlag, der dient dazu die ganze Geschichte definiert und möglichst gerade am 2“ Okularauszug zu befestigen.

Umbau der Montierung:

Ich wollte gleich aufs Ganze gehen, daher hatte ich mir ja mit der Sky-Watcher HEQ5 Montierung eine wirklich massive und präzise Montierung gekauft. Die maximale Zuladung dieser Montierung beträgt 14kg. Da denkt man sicher „ganz schön viel“. Aber es gibt da eine Faustformel die besagt, wenn man eine Montierung fotografisch nutzen möchte, sollte man die Zuladung maximal 2/3 auslasten. Das macht dann „nur“ noch 9,33kg. Da habe ich immer noch Reserven falls ich noch ein etwas größeres Teleskop kaufe. Für einen 8 Zoll Newton mit 800mm Brennweite ist das aber auch schon zu klein. Aber ein Newtonteleskop möchte ich wahrscheinlich eh nicht haben, weil man es bei jedem Einsatz neu kollimieren muss, evtl. sogar nach einem Meridian Flip.

Der Antrieb der Montierung erfolgt mit Schrittmotoren, Zahn und Schneckenrädern. Diese muss man auch gelegentlich einstellen um das Zahnflankenspiel oder wie man in der Astronomie immer hört, den „Backlash“ zu minimieren. Das erhöht die Genauigkeit der Nachführung.
Für die HEQ5 Pro gibt es von der Firma Rowan einen Umbausatz, so dass man einen Teil der Zahnräder (bis halt auf die Schneckenräder) gegen Zahnriemen austauschen kann. Vorteil soll sein, dass es präziser und auch leiser ist. Die Lautstärke bekommt man ja eh nur beim Anfahren mit, beim eigentlichen Nachführen hört man eh nichts mehr. Diesen Umbausatz habe ich mir später auch gekauft und eingebaut. Dazu gibt es gute bebilderte Anleitungen und auch Videos.
Schwer ist es nicht, man braucht nur ein Spezialwerkzeug um das Ritzel vom Motor zu ziehen.
Dieses habe ich mir in der Firma selber gefräst. Der Umbau dauerte etwa 30 Minuten und ist nicht weiter schwierig. 

Links vor, rechts nach dem Umbau

CNC gefräster Eigenbau Abzieher

Kameras und Astrocomputer.

Als ich mich damit beschäftigt habe gab es nicht all zu viele Möglichkeiten.
Eigentlich gibt es zwei verschiedene Arten: komplett alles mit Laptop vor Ort steuern (z.B. mit der kostenlosen Software NINA) oder das ganze mit einem winzigen Astrocomputer steuern, diesen dann über das Tablet zu bedienen.
Ich entschied mich für die zweite Version. Da mein Mac Book Pro bereits 10 Jahre alt ist und es auch nicht jede Astrosoftware die man so brauchen könnte für Mac gibt, war die Entscheidung einfach. Ich wollte ja auch gar nicht so viel Kram mitschleppen.

Bei den kleinen Astocomputern war da gerade der ZWO ASIAir der Platzhirsch. Den hatte ich mir auch ausgesucht, da viele Fotografen den benutzen. Der Nachteil war nur, die APSC Kamera von dem Hersteller ist sehr teuer. Und mit dem ASIAir kann man leider nur Geräte von ZWO ansteuern..


Aber es sollte was neues kommen, ToupTek brachte das StellaVita auf den Markt. Äusserlich bis auf die Farbe sehr identisch zum ASIAir. Den hab ich mir bestellt, samt Kameras…
Aber ich merkte schnell, wir werden keine Freunde. Die App vom StellaVita war noch sehr neu, alles voll mit Kinderkrankheiten. Das StellaVita kam auch erst kurz vor meinem Kauf auf den Markt. Also fasste ich den Entschluss noch einen Systemwechsel zu machen. Das StellaVita kam wieder weg, und ein ähnliches Setup von ZWO kam. Die Kamera, eine ZWO ASI 183 MC Pro, mit 1“ Sensor und 20 Megapixeln sollte für den Anfang erstmal reichen. Diese Kamera war sogar besser als die von ToupTek, da sie eine aktive Kühlung mit Peltierelement hat.
Das würde sich später noch als Vorteil (nachträglich Darks machen) erweisen. Das wusste ich beim Kauf der ToupTek Kamera damals noch nicht.

Dann war so nach und nach alles da, alles wurde zusammengebaut und die ersten Live Blicke über das Tablet auf entfernte Bäume gemacht. Aber warum waren die Farben so eigenartig und irgendwie nicht so scharf?
Ich hatte in einer Folge des Podcasts „Die Zwei vom Feld“ aufgeschnappt dass sie, wenn sie keinen anderen Spezialfilter drin haben, einen UV/IR Sperrfilter drin haben.
Das konnte ich mir erst nicht erklären. Denn aus der Vergangenheit wusste ich ja schon dass sich viele Astrofotografen ihre DSLRs modifizieren lassen indem sie den UV Filter vom Sensor entfernen lassen. Ich hab dann mal Chat GPT gefragt und bekam die Antwort, dass das UV und IR Licht einen anderen Fokuspunkt benötigen würde, daher wäre ein Bild ohne Filter nicht scharf.

Gut, Filter wollte ich eh noch kaufen, den Optolong L-eXtreme und dann halt einen UV/IR Sperrfilter.

Anfang August war es dann endlich soweit. In Schleswig Holstein wurden die Nächte endlich wieder richtig dunkel, erst nur eine Stunde, aber von Woche zu Woche wurde es mehr.

Es wurde Zeit sich für einen Tag bzw. Nacht ein Motiv auszusuchen, welches gut für meine Brennweiten/Sensor Kombination passt. Immer wenn ich mal in Facebookgruppen was gesehen hab, habe ich in Telescopius gecheckt ob es passt, oder auch wenns nicht passt, habe ich mir dieses Motiv für später gespeichert. Sogar mit Chat GPT habe ich mich fleissig unterhalten.
Und letztendlich habe ich meine Entscheidung getroffen: der Elefantenrüsselnebel IC 1396 A
Der Elefantenrüsselnebel ist ein kleiner Teil des Emissionsnebels IC 1396. Diesen Nebel kann ich nicht in seiner ganzen Größe ablichten, da mein Sensor zu klein ist, und ich evtl. noch einen Brennweiten-Reducer bräuchte. Aber der markante Teil, der Elefantenrüssel, eine Ansammlung von interstellarem Gas und Staub im Sternbild Kepheus passte perfekt in mein Blickfeld.
Dazu kam dass das Motiv gerade genau einem Tag vorher seinen höchsten Stand am Himmel einnahm.

Abends nach dem Fernsehen (wir schauen noch linear) ging ich dann raus in den Garten und baute kurz vor Sonnenuntergang alles auf. Ich hatte viel Zeit, die Astronomische Dunkelheit begann erst so um 23:30. Aber so konnte sich die Optik schon mal langsam auf die Umgebungstemperatur abkühlen.

Stativ hatte ich schon mal so gut es geht nach Norden ausgerichtet und das Teleskop auf der Montierung in Grundstellung gebracht.

Als es dann dunkler wurde konnte ich allmählich mit dem Einnorden der Montierung beginnen.
Dabei macht die Kamera ein Foto. Dann dreht sich die Montierung um 60 grad um die Rektaszensionsachse. Ein weiteres Bild wird gemacht und mit einem Sternkatalog verglichen.
Dann zeigt mir die App an welchen Schrauben ich drehen muss um die Montierung möglichst genau auf den Himmelspol auszurichten. Das ganze ist schon etwas fummelig, habe ich beim ersten mal gut 11 Minuten gebraucht, dauerte es beim zweiten mal nur noch 5 Minuten. Ich denke die Übung machts am Ende.

Super, die Teleskopmontierung ist eingeordet, also fahr ich schon mal das Motiv an.
Das geht supereinfach. Man hat zur ASIAir App auch einen Staratlas, an der man sein Motiv aussuchen kann, man sieht sogar einen Rahmen mit dem Blickfeld der Kamera.
Motiv ausgesucht, angefahren. Passte schon ganz gut. Die Kamera noch etwas drehen dann ists perfekt. Dann mal eine Testaufnahme gemacht mit 5 Minuten. Ich war schon beeindruckt. Die Sterne waren punktförmig….obwohl…. momentmal, ich habe punktförmige Sterne? Aber ich habe das Guiding doch noch gar nicht eingerichtet….
Krass, das war aber vielleicht nur mal ein Zufall. 

Also dann doch mal das Guiding einrichten. Ein paar Einstellungen habe ich schon aus einem YouTube Video rausgesucht. Auch wenn es nur Richtwerte sind, da es auf die Montierung ankommt. Aber wie es sich später herausstellte, war das schon gut voreingestellt. Im Laufe des Abends habe ich die Werte immer wieder mal kontrolliert, aber sie schwankten so zwischen 0.25“ und 0.5“ Bogensekunden totaler Fehler. Das sind Traumwerte, damit konnte ich mehr als zufrieden sein.  

Der Elefantenrüsselnebel, mein erstes mit Teleskop aufgenommenes Bild.

Ich entschied mich 32 Aufnahmen mit jeweils 300 Sekunden zu belichten. Dithering, das bedeutet dass die Kamera nach jedem Bild (oder was man einstellt) ein paar Pixel zur Seite schwenkt.
Das sorgt dafür dass das Bild Immer leicht versetzt auf einer anderen Stelle des Sensors entsteht.
So lassen sich Hotpixel und andere „Fehler“ auf dem Sensor später besser korrigieren.
Ich habe das Dithering so eingestellt, dass es alle 3 Bilder 5 Pixel verschiebt.
Dithern dauert immer ein wenig. Da die Guidingkamera danach erstmal checkt ob alles wieder stabil läuft. Aber ich hab gesehen das geht recht fix, dass ich die Einstellung auf alle 2 Bilder ändern werde. Auch werde ich mal mit 10 Pixeln experimentieren. 

Nach dem ersten Ausseneinsätzen kam mir immer wieder noch die Frage: kaufe ich mir nun noch einen ZWO EAF Fokussiermotor? Praktisch ist es schon, da man das Fokussieren komplett der Technik überlassen kann. Einen Nachteil hat es bei mir nur: das Teleskop passt mit angebautem EAF nicht mehr in den Koffer. Jedes mal an und Abbauen macht man vielleicht 2-3 mal, danach ist man es leid. Aber genauso ist man es leid manuell zu fokussieren. Testbild machen, verstellen, Testbild machen. Das ist auch leidige fummelei. Und bei Temperaturschwankungen muss man manuell wieder nachfokussieren und den laufenden Belichtungsplan unterbrechen.

Mittlerweile habe ich auch schon einen Fokussiermotor. Ich war lediglich zwei mal unterwegs wo ich noch manuell fokussiert habe. Das ist schon recht fummelig. Zum einen kann man es mit einer Bahtinov Maske machen. Vorn auf den Tubus aufgesetzt erzeugt sie an den Sternen 3 Linien. Wobei die Mittellinie nicht mittig erscheint. Dreht man nun am Fokusrädchen verschiebt sich die Mittellinie. Liegt sie genau mittig, passt der Fokus. Beim ASIAir braucht man diese Maske aber nicht, denn es gibt eine Fokushilfe die die Größe des Sternes anzeigt, je kleiner der Wert desto besser. Aber auch das ist nicht ganz einfach, da man bedenken muss dass das ganze bei den schwachen Sternen nicht live funktioniert. Man muss immer ein Foto machen, was dann schon etwas dauert. Also es ist nicht mit dem manuellen fokussieren bei einer Fotokamera zu vergleichen.
Da kam es mir recht, dass es den Fokusmotor im Astroshop gerade günstiger gab. Also schnell noch bestellt und das Astrosetup nun nahezu verfollständigt.

Mittlerweile habe ich viel gelernt. Auf mein erstes Bild vom Elefantenrüsselnebel war ich schon sehr stolz. Mittlerweile weiss ich, dass die Anzahl der Aufnahmen doch noch deutlich zu wenig waren. Aber es besteht ja immer die Möglichkeit später mit den gleichen Einstellungen einfach weitere Bilder zu machen und dann zu dem Stack der ersten Session hinzuzufügen. Das ASIAir hat da eine Funktion die es sehr einfach macht das Teleskop auf ein bereits gemachtes Foto auszurichten.

Vor Ort habe ich ja mittlerweile allerhand Zeugs. So komme ich mit Campingtisch und Stuhl, Gaskocher, Powerstation zur Stromversorgung des Teleskops. Es mangelt eigentlich an nichts.
Bluetooth Lautsprecher und sogar eine Nintendo Switch 2 habe ich mir gekauft um nachts bei den Sessions ein wenig zocken zu können.
Aber alleine fällt es mir trotzdem noch schwer mir die komplette Nacht um die Ohren zu hauen.
Ich werde mal versuchen hier in der Umgebung Anschluss zu finden. Es gibt ja z.B. die Sternwarte Lübeck.

Mein “Astrocamp” auf dem Feldweg

Astrocamp mit Werkzeug, Wasserkocher und Tablet

Erster Versuch auf dem Balkon

Größere Erfolge habe ich gehabt, nachdem ich mein Teleskop mal versuchsweise auf unserem Holzbalkon aufgestellt habe. Ich weiss, es ist nicht ideal, aber ich wollte es mal probieren was bei Rauskommt. Zum Glück stehen zwei der Stativbeine über den Querbalken des Balkons. Das bringt schon mal eine Menge. Für das dritte Bein, welches dann nur auf einem Brett steht, welches sich durchbiegen kann, habe ich mir eine alte Aluplatte aus der Schrott Tonne auf der Arbeit mitgenommen. In die Mitte eine Zentrierung reingebohrt, damit der Stativfuß drin einrasten kann. Diese Platte verteilt nun das Gewicht von einem auf drei Bretter.
Und was war das Ergebnis? Der erste Versuch waren die Plejaden, die ich dann die ganze Nacht, bis die Plejaden um 4:30am Hausdach verschwanden belichten konnte. Ganze 103 Bilder kamen zusammen, was bei jeweils 300 Sekunden eine Gesamtintegrationszeit von 8:35 Stunden macht.
Das Ergebnis überraschte mich echt. Mehr als drei mal so viele Aufnahmen als beim Elefantenrüsselnebel, das war in der Bearbeitung deutlich zu sehen. Deutlich weniger rauschen, auch weil ich hier mal nach jedem Bild gedithert hatte.

Mein bisher bestes Bild entstand auf die gleiche Art auf dem Balkon an Heilig Abend.
Ich wollte den Pferdekopfnebel und die Umgebung aufnehmen. Durch den sehr hellen Stern Alnitak im Blickfeld habe ich die Belichtungszeit deutlich reduziert. Dadurch kam ich über die Nacht aber auf noch mehr Einzelaufnahmen. Hier waren es 176 Aufnahmen mit jeweils 120 Sekunden. Da das Motiv im Orion hier nicht so hoch aufsteigt wie z.B. die Plejaden konnte ich auch nicht so lange aufnehmen, da der Orion so gegen 3:30 hinter einem Baum verschwand.
Aber 5:52 Stunden Integrationszeit sind zusammengekommen. Und auf das Bild welches da entstand bin ich sehr stolz. Die Lernkurve ist recht steil, gerade mal 5 Bilder insgesamt gemacht und schon so ein ansehnliches Ergebnis. Meine Photoshop und Lightroom Kenntnisse spielen mir da aber auch in die Karten. 

Der Pferdekopfnebel, mein erstes deutlich besseres Astrofoto.

Und jetzt? Jetzt warte ich mal wieder auf Clear Skies um noch mehr Licht von schönen Nebeln zu sammeln.
In der Zwischenzeit habe ich auch meinen Astrofotos eine eigene Galerie hier auf der Seite gegönnt.
Dort findet ihr auch das Bild der Plejaden oder dem Rosettennebel, den ich nach dem Pferdekopfnebel aufgenommen habe und das Bild das erste mal mit der sogenannten HOO Palette bearbeitet habe. An der Galerie feile ich noch etwas. Ich möchte eigentlich dass jedes Bild eine eigene Seite bekommt, damit ich zu den Bildern auch die unmengen an Fotografischen Angaben und noch einen ausführlichen Text schreiben kann. Da die Astrofotos eh nicht als Massenware enstehen, denke ich geht dieser Mehraufwand schon klar.

Und bereue ich den Kauf, das “Versenken” von über 7000€? Nein. Denn ich hatte sicher auch Glück dass es schon am Anfang gleich lief. Bevor ist mein erstes Foto gemacht habe, habe ich schon viel theoretisches Wissen aus Videos gelernt, dass mir wohl einige frustrierende Fehler erspart worden sind.

Und wie siehts mit dem warmen Bettchen aus? Ja das mag ich nach wie vor, aber es ist was anderes abends länger aufzubleiben als sich morgens um 3 für einen Sonnenaufgang aus dem Bett zu quälen. Bisher hat es mir nichts ausgemacht draussen zu stehen. Demnächst werde ich das ganze mal in Gesellschaft machen, das wird sicher auch toll.

Clear Skies

Dennis Siebert

Dennis Siebert ist professioneller Landschaftsfotograf mit Schwerpunkt auf Langzeitbelichtungen mit ND Filtern und Nutzung von Verlauffiltern.
Seine Motivschwerpunkte liegen bei Seascapes, Sonnenauf und Untergängen.

https://www.dennis-siebert-photography.de
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